Bin ich eine gute Mutter?

Mutter mit Gedanken an ihre Kinder
Muttergefühle sind Gefühle, die unser Innerstes so tief berühren wie nur wenig anderes - nicht immer im Positiven. "Was ist für dich eine gute Mutter?" Das habe ich Mütter und Kinder gefragt!

Bin ich eine gute Mutter...

Wenn ich ehrlich bin, verfolgt mich diese Frage schon seitdem ich wusste, dass ich mit meinem ersten Kind schwanger war. Inzwischen habe ich drei Kinder (zwei Jungs 14 und 12, ein Mädchen 8) Gerade bei der ersten Schwangerschaft müssen wir viele ungewohnte Entscheidungen treffen. Dabei fragen wir uns immer wieder: Ist das eine gute Entscheidung? Bin ich eine gute Mutter, wenn....? Dabei sitzen wir so vielen Irrtümern, Glaubenssätzen und Meinungen auf, die uns in diesem Moment als so unglaublich wichtig und richtig erscheinen. Im Nachhinein betrachtet war für mich diese erste Schwangerschaft ein Slalomlauf der Meinungen.

 

Ich war zu der Zeit schon 31, fühlte mich gebildet und belesen. Als meine Hebamme im letzten Drittel sagte, dass man die Babys in den ersten Tagen ruhig alle zwei Stunden stillen solle (das fördert den Milcheinschuss), dachte ich entsetzt: "Nachts auch???" Ich erzählte es meinem Mann und auch er guckte beunruhigt und meinte: "Nachts auch???" Noch heute muss ich darüber schmunzeln, wie naiv ich war. Ich konnte nicht wissen, dass ich ein Baby bekommen sollte, das am liebsten gar nicht schlief und bis es ca. 6 Monate alt war alle 2 Stunden gestillt werden wollte.

 

Jaaa, ich weiß schon was du jetzt vielleicht denkst.... der erste Erziehungsfehler? Und das ist das Gemeine:

Wir Mütter und Väter werden immer daran gemessen, wie gut unser Kind funktioniert.

Funktioniert es gut - bist du eine gute Mutter! Was aber, wenn dein Kind nicht gut funktioniert - es nicht angepasst, lieb, ruhig, höflich ist?

Ich muss sagen, ich (belesen, gebildet, Lehrerin) war ziemlich überrascht mit wie viel Persönlichkeit mein erstes Kind auf die Welt kam. Es hatte nicht so schnell vor, sich an meine Bedürfnisse anzupassen. Manchmal hatte ich das Gefühl ein Monster neben mir zu haben - es war kein schönes Gefühl.

 

Um es mal vorweg zu nehmen, insgesamt habe ich sehr liebe Kinder. Das Monster kommt jedoch immer wieder mal zum Vorschein. Es faucht mich an, speit Feuer und faucht: Du. Bist. Keine. Gute. Mutter.  Das ist das Monster, welches in mir steckt. Das Monster, welches in meinen Kindern steckt, faucht: Mach. Es . So. Wie. Ich . Es. Will.... dann faucht mein Monster wieder: NEIN!!! DU. MACHST. ES. SO.WIE.ICH.ES.WILL  ("Nein" ist unser Lieblingswort, gell?)

 

Für alle die keine Kinder haben sei gesagt, das ist ein Kampf, der nicht zu gewinnen ist! Es gibt in unserer Geschichte noch andere unangenehme Wesen, da sind noch die Kobolde, die immer alles wissen. Ach ja, und dann die Elfen, bei denen immer alles super klappt. Besonders trügerisch sind die getarnten Teufel, die sich dein Leid anhören und dann sagen: "Du musst es doch nur so und so machen" Ach und dann die Könige, die meinen: " So gut möchte ich es auch mal haben, den ganzen Tag zu Hause!"

 

Diese Wesen verlassen uns (freundlicherweise) nicht. Auch heute noch sind sie da, wenn ich meine Gedanken ausspreche:

Zum Beispiel, dass es mit 13/knapp 14 noch keinen Alkohol gibt.... und von der Handy/PC- Nutzung gar nicht zu reden. Da hat jeder eine andere Meinung dazu... nur meine ist grad nicht die richtige!  Dann faucht das Monster in mir auch schon mal: " Ach, diese Mütter mit ihren lieben Mädchen haben doch gar keine Ahnung!!!"

 

Wie nur - ja, wie mache ich es richtig? Wie bin ich eine gute Mutter? Kann mir jemand mal eine Antwort darauf geben?

Was muss ich tun, damit ich die Sonnenschein  - Rama - Mama bin?

 

Heute war mal wieder so ein Tag: Die Pubertät schlug voll durch.... und das Monster in mir spie Feuer: Mit. Mir. Nicht!

Nur leider ist das keine Lösung! Und ja, wenn ich hier erzählen würde, was mir mein Sohn an den Kopf geworfen hat.... ich weiß schon, das würde eine wilde Diskussion lostreten:

Das würde ich mir nicht gefallen lassen / Das kannst du nicht durchgehen lassen / Ach das legt sich schon wieder / Ja, das haben wir ja alle durchgemacht....

Ach ja.... und weiß ich jetzt mehr? Bin ich eine gute Mutter, wenn....?

 

Neulich habe ich mal die Schränke ausgewischt - ganz meditativ (ja, als gute Mutter sollte man schauen, dass man nicht nur vom Fußboden essen kann, sondern auch aus den Schränken - oder?)... na ja, jedenfalls hing ich so meinen Gedanken nach und dachte plötzllich:

ICH BIN DER MAßSTAB.... niemand sonst. Ich höfe auf MEIN Bauchgefühl - das ist mein Sensor. 

 

Es geht um meine Werte! Werte, die mir wichtig sind und die ich authentisch vertreten kann.

....von wegen Kinder sollten eine Sportart ausüben und mind. ein Musikinstrument lernen und ja, etwas Kreatives darf es auch ruhig sein.... B...shit.

 

Übrigens: Meine Kinder zu fragen ist zwecklos... je nachdem wann ich fragen würde, bekäme ich entweder die eine oder die andere Antwort. In der Pubertät ist frau wohl häufiger mal keine gute Mutter - leider! Und nicht nur das, peinlich ist man auch noch!

Bei meiner Tochter bin ich im Moment oft gute Mutter (toi toi toi):

Weihnachtsbasteln, endlich Winterstiefel, Plätzchen backen.... kommt eben gut an!

Bei meinem mittlerem Sohn käme auf die Frage: "Findest du, dass ich eine gute Mutter bin?",  folgende Antwort: "Hmmpf.......?"

 

Mit meinem Mutterdasein beschäftige ich mich nun schon seit über 14 Jahren. Nun wollte ich wissen, wie sehen andere das? Die Antworten fand ich teilweise überraschend. Mit ein bisschen Nachdenken glaube ich, dass ich ähnlich geantwortet hätte. Es ist schon ein Unterschied, ob ich mich selbst (zweifelnd) frage: Bin ich eine gute Mutter? Oder ob ich die Frage stelle: 

 

Was bedeutet für dich EINE GUTE MUTTER?

 

Dazu habe ich Frauen befragt und Kinder im Alter zwischen 8 und 14 Jahren). Väter habe ich übrigens nicht befragt, fällt mir gerade ein, aber das kann ich ja noch nachholen....

 

 Was ist eine gute Mutter für dich? Mütterstimmen...

 

....dass sie ihre Bedürfnisse kennt und Möglichkeiten für sich findet, diese auch umzusetzen/ zu leben

...ihren Kindern bedingungslose Liebe, Wurzeln & Flügel geben- das macht eine gute Mutter aus. Das setzt voraus, sich selbst dabei nicht zu vergesse
....trotz allem Stress liebevoll zu bleiben!
....auf die eigenen Bedürfnisse und die Bedürfnisse des Kindes authentisch ein zu gehen.

 

 

...wenn sie in Beziehung bleibt. Zu sich, dem Kind und ihrem Umfeld. 

...nicht alles so eng sehen und auch mal Fünfe grade sein lassen. Kein Anspruch an Perfektion haben, das verursacht nur Stress - bei allen Beteiligten

....gaaaanz wichtig: Authentizität!

....liebevolle Konsequenz

....mit sich selbst im Reinen sein und fähig, sich selbst zu reflektieren

...den Kindern Werkzeuge an die Hand zu geben, dass diese mehr Freude und Glück erleben als Schmerz und Leid.

....verständnisvolle Liebe, wenn es gerade besonders schwer fällt.

...die gut auf sich aufpasst.

...eine gute Mutter macht aus, dass sie sich gut um sich selbst kümmert. Dass sie sich ihrer Qualitäten und Stärken bewusst ist und weiß, welche

   Ressourcen sie anzapfen kann, wenn die Zeiten mal stürmisch werden. Denn so kann sie gelassener sein und mit mehr Lebensfreude den Alltag meistern. 

....liebevoll konsequente Erziehung

....authentizität, liebevolle Konsequenz, echtes Zuhören, den Kindern Wurzel und Flügel geben, die Kids als eigene Persönlichkeit wahrnehmen und annehmen und sie als ebensolche behandeln.

....wenn sie auf sich genauso achtet wie auf ihre Kinder..Kinder sind glücklich wenn die Eltern glücklich sind und Lebensfreude ausstrahlen..

   Ihnen zuhören, für sie da zusein, Ihnen den Freiraum zu geben, den sie brauchen ... ein Patentrezept für eine gute Mutter gibt es meiner Meinung nach   

   nicht. Jede Mama ist auf ihre Art und weise denke ich eine gute Mutter 😉. Liebe Grüße Silke

 

...dass sie bei der Erziehung auf ihren Bauch hört und ihre Kinder fordert und fördert, dass sie das Leben meistern können, dass sie sich dabei nicht vergisst 
   und bei allem unterm Strich nicht vergisst, Liebe zu geben und Spaß zu haben.

.....dass sie vor allem an sich selbst arbeitet, nicht am Kind.

 

....die Balance finden zwischen Haltgeben und Loslassen, damit Kinder ihre eigene Erfahrungen sammeln dürfen. In jeden Fall authentisch sein und wenn
    die Wertschätzung mal auf der Strecke geblieben ist, nachher drüber reden. Und ich gebe vielen recht, wenn es der Mutter gut geht, geht es auch den 
   Kindern gut, also auch mal egoistisch sein, Zeit für sich beanspruchen!Bedingungslose liebe! Alles andere ergibt sich dann automatisch

 ....bei den ganzen tollen werten die schon geschrieben wurden fehlt mir noch, das eine Mutter auch in der Lage ist seine eigenen fehler ein zu gestehen

     gegenüber dem kind.

 

....zuhören. Zeit für das Kind haben - dabei dem Kind die volle (!) Aufmerksamkeit schenken.

....an das Kind glauben und ihm das auch zeigen und sagen. Mut machen und motivieren.
....dem Kind auch mal negative Gefühle zugestehen und ausleben lassen.
...wenn ich arg im Stress bin und zu wenig Zeit habe, sprich: in den Kommando-Ton verfalle, nehme ich mich in letzter Zeit zusammen, halte inne für meine
   Kinder, denn mir fällt ein Spruch wieder ein, den ich gelesen habe: "Dein Alltag ist ihre Kindheit". Und SCHWUPPS ist es einfacher - alles. Irgendwie.
....meine Kinder erleben mich ungekünstelt. Emotion und Empathie sind mir sehr wichtig!

....bedingungsloses Lieben!

 ....glückliche Mama - glückliche Kinder.


...meiner Meinung nach wird heutzutage viel zu arg bemuttert und ein regelrechter Kinderanimationsmarathon hingelegt...die Kinder verlernen es
    regelrecht sich selbst zu beschäftigen, eigene Entscheidungen zu treffen....
....eigentlich finde ich die Frage nicht so gut. Vielleicht sollte man eher fragen, was braucht ein Kind, um ein gesunder, aktiver, selbstbewusster,
    selbstständiger , glücklicher und liebevoller Mensch zu werden.

 ....Selbstliebe, Selbstfürsorge, Selbstbestimmtheit, Humor😃😃😃Beziehung -die vor Erziehungsfähigkeit geht

 ....Fehler machen. Fehler eingestehen. Neue Fehler machen. Lernen. Offen bleiben. Mutig sein. Da sein. Keine Rolle spielen. Alte Muster durchbrechen. ....liebevoll inkonsequent sein. Mensch sein.

....Ich bin der Meinung, dass nur eine glückliche Mutter eine gute Mutter sein kann. Deswegen sollte man auch immer etwas für sich tun und die eigenen

    Bedürfnisse nicht (immer) hinten anstellen.

....aus Erfahrung weiß ich, dass nicht jede Situation im Alltag leicht zu handhaben ist. Deshalb finde ich, eine gute Mutter sollte in erster Linie dafür sorgen,

    dass es ihr gut geht und sie körperlich, seelisch und moralisch entspannt bleiben kann.

 

Meine Essenz: Tu etwas für dich - authentisch, offen und liebevoll!


Was ist eine gute Mutter für dich? Kinderstimmen....

Oft genannt wurde:

... dass sie fast alles erlaubt/ nicht zu streng

... dass ich ein eigenes Zimmer habe

... dass sie warmes Essen für mich kocht/ muss kochen können

... dass sie vieles erlaubt (Fernsehen, Computer)

... dass sie nett ist, fair bleibt und sich um mich kümmert

... dass sie ehrlich ist

... dass sie nicht alles weiß

 

Ansonsten...

....dass sie ruhig bleibt

... dass das Kind nicht alles machen muss

... wenn man Hilfe braucht, dass sie hilft

... dass ich mit ihr über alles reden kann

... dass sie Ausflüge mit mir macht

... dass sie hilfsbereit ist

... dass sie Sachen für uns kauft

... dass sie nicht immer weg ist

... dass sie einen mal zur Schule bringt oder abholt

... dass sie mein Zimmer aufräumt

... dass sie mich tröstet

... dass sie mit mir lernt und mir bei den Hausaufgaben hilft

.... dass sie das Haus putzt ("könnte ja eigentlich auch der Mann machen" nachdenklich hinzu)

 

Meine Essenz: So viel braucht's gar nicht, um eine gute Mutter zu sein!


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Und .... wie siehst du das? Wie war deine Mutter, wenn du zurück denkst? Welche Werte waren für dich wichtig?

Ich freu' mich auf deinen Kommentar!

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Kommentare: 4
  • #1

    Sabine Weiss (Montag, 19 Dezember 2016 11:39)

    Oh was für ein wundervoller artikel! :) ich bin erst seit 1,5 jahren mama und frage mich das immer wieder. was mir dazu einfällt und ein großes novum (in meiner familie) ist: sich auch beim kind entschuldigen. manchmal geht was daneben und als mama dann auch genau so sagen "entschuldigung, das tut mir leid, das war grad ein hoppala" oder "das war mir gerade zuviel, jetzt bin ich geplatzt" oder ähnliches.
    ich merke auch immer wieder - meine ansprüche sind eh hoch genug, wenn was daneben geht - einfach das nächste mal besser versuchen. die ansprüche von außen zusätzlich noch belasten mich. an guten tagen kann ich das gut nehmen und einfach lassen, an anderen fühle ich mich dann schon mal echt überfordert. weinen hilft dann - das darf man als mama auch. mir hilft am meisten mich mit anderen müttern auszutauschen, die auch zugeben an manchen tagen völlig überfordert zu sein :)
    wenn ich mein kind ansehe und merke, dass sie gut drauf und happy ist, dann zeigt mir das auch: so viel kann da nicht schief gegangen sein bis jetzt!

  • #2

    Nicole Wendland (Montag, 19 Dezember 2016 20:53)

    Liebe Sabine, danke für dein tolles Feedback! Ich habe mich im Laufe der Jahre auch schon öfter bei meinen Kindern entschuldigt, wenn mit mir die Pferde durchgegangen sind. Den Austausch mit Mütter fand und finde ich immer noch sehr hilfreich und oft entlastend. Du hast ja deine eigenen Ansprüche gut reflektiert, von daher kann nichts schief gehen ;)
    Liebe Grüße
    Nicole

  • #3

    Melanie Pignitter (Dienstag, 10 Januar 2017 12:17)

    Liebe Nicole!
    Das ist ein ganz wundervoller Beitrag. Ich selbst bin zwar noch keine Mami - aber natürlich ist mir dieses Thema von Klienten und Freunden bekannt. Du hast es wunderbar und sehr authentisch aufgearbeitet. Sehr wertvoll dies hier zu lesen. lg Melanie - www.honigperlen.at

  • #4

    Nicole (Dienstag, 10 Januar 2017 14:35)

    Das freut mich sehr, liebe Melanie. Toll, dass du sogar als noch "keine Mami" etwas daraus mitnehmen könntest ☺ Liebe Grüße Nicole