Wie Meditation bei Angst und Panikzuständen wirkt

Angst und Panikattacken machen dein Leben zum Gefängnis? Erfahre, wie du dich von Ängsten befreien kannst.
Angst und Panikattacken machen dein Leben zum Gefängnis? Erfahre, wie du dich von Ängsten befreien kannst.

Eigentlich war es ganz harmlos angefangen. Brigitte war an einer Magen-Darm-Grippe erkrankt. Das Schlimmste war jedoch der Durchfall. Nach etwa einer Woche begann sie wieder zuarbeiten. Insgesamt ging es ihr körperlich wieder so einigermaßen. Sicher, sie fühlte sich noch immer müde und schlapp. Doch wer fühlte sich schon richtig fit? So ging es doch vielen. Schließlich musste der Alltag weitergehen. Ihre beiden Kinder wollten versorgt werden und die Kolleginnen mussten schon in ihrer Krankheitswoche zusätzlich einspringen. Da konnte sie auf gar keinen Fall noch länger daheim bleiben. 


Wenn doch nur dieser Durchfall nicht gewesen wäre. Immer wieder wurde sie von diesen leichten Bauchkrämpfen heimgesucht und dann hieß es schnell sein. Brigitte achtete zunehmend darauf, dass, wo immer sie sich aufhielt, eine Toilette in der Nähe war. Vor jedem Meeting ging sie sicherheitshalber noch mal zur Toilette. Im Meeting saß sie angespannt da und achtete auf jedes körperliche Signal. Wie würden denn die Kollegen gucken, wenn sie plötzlich aufspringen und zur Toilette rennen müsste? Bei etwas längeren Autofahrten ging es ihr ebenso: Vorher noch mal zur Toilette und während der Fahrt achtete sie auf jedes körperliche Signal. 


Eine Woche später waren die Durchfälle weniger geworden. Nur noch ein bis zweimal am Tag musste sie zur Toilette eilen. Einmal allerdings war es schief gegangen. Der Schreck und die Entwürdigung saßen ihr noch Tage später in den Knochen. Bei ihrer Vorgesetzten hatte sie sich mit „Kopfschmerzen“ krank gemeldet, um nach Hause fahren zu können. Obwohl sie ja nur noch „normal“ oft zur Toilette musste, war Brigitte nun permanent angespannt. Die Angst nahm zu, dass ihr das Malheur wieder passieren würde. Der Alltag ging jedoch erbarmungslos weiter. Brigitte kam kaum zur Ruhe. Die Kinder brauchten neue Kleidung, also fuhr sie mit ihnen ins Einkaufszentrum 1,5 Stunden von ihrem Heimatort entfernt. Sie hätte es nicht ertragen können, wenn sie in der Stadt gewesen wäre ohne eine Toilette in der Nähe.


 Im Einkaufszentrum suchte sie als allererstes die Toilette auf. In jedem Geschäft ging sie den Weg zur Toilette im Geiste durch. Während der Autofahrt hielten sie dreimal an. Jedes Mal kaufte sie den Kindern etwas, damit diese nicht stutzig wurden.

Immer wieder ging Brigitte zum Arzt, doch auch die diversen Ärzte fanden nichts. Man empfahl ihr, die Ernährung umzustellen: Kein Weizen, kein Zucker! In ihrer Not versuchte Brigitte alles Mögliche, aß immer weniger in der Hoffnung, dann weniger Durchfälle zu haben. Ihr Mann unterstütze sie und zeigte immer wieder Verständnis für ihr Bedürfnis immer eine Toilette in der Nähe zu haben. Als sie jedoch den gemeinsamen Urlaub an der Ostsee verweigerte, weil sie schließlich nicht wisse, ob es dort überall in erreichbarer Nähe Toiletten gebe, platze ihm der Kragen: „Merkst du gar nicht, dass wir uns immer mehr nach dir richten? Toiletten, Durchfall, deine Angst – alles dreht sich darum. Was ist mit mir? Mit den Kindern? Denkst du darüber auch noch nach?“ Wutentbrannt drehte er sich um und knallte die Tür hinter sich zu. Sogleich merkte Brigitte, wie es in ihrem Unterleib rumorte. Sie eilte zur Toilette.


Wochen später traute sich Brigitte kaum noch aus dem Haus. Sie hatte Angst das Haus zu verlassen. Meistens ging ihr Mann einkaufen oder sie schickte eines ihrer Kinder mit dem Fahrrad los. Zum Ausgleich nahm sie ihrem Mann und den Kindern zuhause alles ab. Das Haus war stets blitzblank, sie kochte für ihre Lieben ausgiebig und versuchte es ihnen so gemütlich, wie nur möglich zu machen. Schwierig wurde es allerdings, wenn ihre Kinder Freunde mitbringen wollten. Brigitte hatte Angst vor den Bakterien, die damit ins Haus kommen würden.

 

 

Was bei Ängsten hilft

Etwa zu der Zeit empfahl ihr eine Bekannte Meditation: „Das soll helfen bei Ängsten!“, sagte sie. Brigitte war zwar der Meinung, dass sie ja eigentlich ein Mittel gegen ihren Durchfall finden müsse, aber in ihrer Not rief sie die Meditationslehrerin an. Diese zeigte großes Verständnis für ihre Situation und lud sie ein, einmal an der Meditation teilzunehmen. Und ja, es gebe auch eine Toilette, die sie jederzeit nutzen können. Brigitte wusste, dass sie etwas tun musste. Ihr Mann sprach kaum noch mit ihr, sie musste etwas ändern. Die Meditation fand in einer kleinen Gruppe statt und die Lehrerin erklärte, warum Meditation so wirkungsvoll war. Mit der Zeit lernte Brigitte, dass die Meditation nicht nur der Entspannung dient, sondern sie dadurch nachhaltig etwas verändern konnte. Mit der Zeit wurden ihrer Ängste deutlich reduziert. Durchfall hatte sie nur noch 2-3 in der Woche. Es war, als wenn sich ein grauer Schleier gehoben hätte. Brigitte nahm immer deutlich war, welche Auslöser zu den Ängsten führten und warum sie Durchfall bekam. Rückblickend konnte sie erkennen, dass der enorme Druck bei der Arbeit, ihr hoher Anspruch der Familie ein perfektes Zuhause zu bereiten, dazu geführt hatten, dass sie sich selbst völlig aus dem Blick verloren hatte. Durch ihren Anspruch alles perfekt machen zu wollen, scheiterte sie regelmäßig an ihren eigenen Vorgaben. Sie konnte gar nicht mehr zufrieden oder gar glücklich sein, weil sie ja nie gut genug war. Fehler gestand sie sich nicht zu. Brigitte erkannte, dass auch ihre Kindheit schon geprägt war von Leistung und dem tiefen Bedürfnis nach Anerkennung. Die gab es jedoch nur bei sehr guten Noten oder Auszeichnungen.

 

 

Die Heilsame Kraft der Meditation

Durch die Meditation kam Brigitte sich selbst wieder näher und traf Entscheidungen, die für sie selbst stimmig waren.

Was also passiert in der Meditation? Warum hilft Meditation so nachhaltig bei Angststörungen und Panikattacken?

Zunächst: Die Ängste über die wir hier sprechen, sind erlernte Ängste. Unser Gehirn ist darauf ausgerichtet bei Gefahr schnell zu reagieren. Der Blutdruck steigt, die Muskeln spannen an, unsere Sinne fokussieren sich, die Verdauung wird zurückgestellt. Der Körper stellt sich darauf ein zu fliehen, zu kämpfen, zu erstarren. Wir fühlen das Gefühl der Angst. An sich ist dieser Überlebensmodus von der Natur wunderbar eingerichtet. Wie sonst hätten die Menschen in der freien Natur überleben können? 


Heutzutage fliehen wir jedoch nicht vor einem Tiger oder einer giftigen Schlange. In Brigittes Fall registrierte das Gehirn „Gefahr“, wenn Brigitte merkte, dass sie das Projekt nicht mehr vor Feierabend fertig bekommen würde. Brigitte arbeitete dann länger. Auf dem Nachhauseweg machte sie sich Sorgen, ob sie rechtzeitig vor den Kindern da sein würde, ob sie das Mittagessen pünktlich auf dem Tisch haben würde usw. Brigitte war also ständig im Überlebensmodus. Angst war zu einem Teil ihrer Persönlichkeit geworden. Sie war quasi ständig auf der Flucht. Aus dem Tierreich wissen wir, dass viele Tiere ihren Kot verlieren, wenn sie auf der Flucht sind, weil sie dann leichter und schneller sind. Wie du eben gelesen hast, wird im Überlebensmodus, auch Stressmodus genannt, die Verdauung zurückgestellt. Essen kann also nicht mehr ausreichend und „in Ruhe“ verdaut werden, wenn Brigitte immer auf der Flucht ist.


Unser Gefühlszentrum steckt etwa in der Mitte des Gehirns: Das limbische System. Der darin erhaltene Mandelkern (die Amygdala) wird als Angstzentrum bezeichnet. Bei Angstpatienten ist diese vergrößert. Durch MRT – Aufnahmen lässt sich nachweisen, dass Meditation die Gehirnstrukturen verändert. Inzwischen weiß man auch, dass bei Depressionen der Mandelkern, die Amydala, zu lange aktiv bleibt. Durch regelmäßiges Meditieren verändert sich die Gehirnstruktur schon innerhalb von acht Wochen: der Mandelkern wird wieder kleiner und bleibt weniger lang aktiv. D.h. Ängste können durchaus noch auftauchen, sind aber weniger massiv und „verschwinden“ auch schneller.


Durch die Maßnahme „Meditation“ können Antidepressiva entweder abgesetzt werden oder die Dosis deutlich verringert werden. Die Rückfallquote sinkt um 50%. Die Abstände zwischen Panikattacken werden größer.

Dies zeigt mehr als deutlich, wie kraftvoll die Meditation ist. Diese Erfahrung machte auch Brigitte: „Ich war erstaunt, wie gut ich mich auf die Meditation einlassen konnte. Von Woche zu Woche merkte ich, wie es mir wieder leichter ums Herz wurde. Mir wurde klar, welche Gedanken mich so unter Druck und Stress setzen. Ich fing an Gewohnheiten in meinem Alltag zu verändern. Meine Familie machte das alles mit. Ich glaube, sie waren einfach froh, dass es mir wieder besser ging. Es war ihnen egal, ob das Mittagessen mal ausfiel. Besonders meine Tochter hatte wohl unter meinen Ängsten sehr gelitten. Sie wollte mich immer unterstützen, merkte aber, dass sie es nicht konnte. Inzwischen denke ich, wenn das so weiter gegangen wäre. Dann hätte ihr dasselbe Schicksal gedroht wie mir. Daran darf ich gar nicht denken. Ich bin so froh, einen Weg aus den Ängsten, aus der Depression gefunden zu haben. Inzwischen meditiere ich täglich und ich freue mich richtig darauf. Es ist die Zeit nur für mich.“


Nach einigen Monaten wechselte Brigitte ihren Arbeitsplatz innerhalb des Unternehmens. Ihre Arbeit ist zwar nun nicht mehr so anspruchsvoll und sie bekommt weniger Anerkennung von außen, aber sie ist insgesamt viel zufriedener und gelassener. Sie kann sich nun auch vorstellen, noch mal etwas ganz anderes zu machen.

 

 

 

Angst und Panikzustände können dein Leben zur Hölle machen. Doch es gibt einen Weg daraus!
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